30.04.2026: Bergwacht Oberstdorf blickt auf deutlich mehr Einsätze im Jahr 2025 zurück
Bergwacht Oberstdorf blickt auf deutlich mehr Einsätze im Jahr 2025 zurück
Oberstdorf. Die Bergwacht Oberstdorf hat bei ihrer Jahreshauptversammlung am Mittwoch, 29. April, auf ein außergewöhnlich forderndes Einsatzjahr 2025 zurückgeblickt. Insgesamt wurden durch die ehrenamtlichen Einsatzkräfte 1.356 Einsatzereignisse bewältigt. Das entspricht einem Anstieg um 171 Einsätze im Vergleich zum Vorjahr.
Bereitschaftsleiter Thaddäus Berktold begrüßte im Rahmen der Versammlung zahlreiche Gäste, darunter Vertreter der Bergbahnen rund um Oberstdorf, der Allgäuer Bergwacht-Bereitschaften sowie der Polizei. Besonders erfreulich war die vollzählige Anwesenheit der Mannschaft.
Die Bergwacht Oberstdorf stellt mit 66 ehrenamtlichen Einsatzkräften, darunter elf Anwärter in Ausbildung, ganzjährig die rettungsdienstliche Versorgung im alpinen Gelände rund um Oberstdorf sicher. Das Einsatzgeschehen unterscheidet sich dabei deutlich zwischen Winter- und Sommermonaten. Während sich die Einsätze im Winter vor allem auf die Skigebiete Fellhorn/Kanzelwand, Nebelhorn, Söllereck und Grasgehren konzentrieren, verlagert sich der Schwerpunkt in der Sommersaison in den Bereich des Allgäuer Hauptkamms sowie in stark frequentierte Regionen rund um die Bergbahnen.
Die Wintersaison 2025/2026 begann bereits Ende November mit einem hohen Einsatzaufkommen. Vor allem im Dezember führten eingeschränkte Schneeverhältnisse in höheren Lagen zu ungewöhnlich vielen sogenannten Meldereinsätzen. Ab Mitte Januar verbesserten sich die Bedingungen, die Lawinensituation blieb jedoch mehrfach schwer einschätzbar. Größere Lawinenereignisse im freien Gelände blieben glücklicherweise aus.
Die Wintersaison verlief ohne tödlichen Skiunfall. Dennoch ereigneten sich zwei tragische Unglücke: ein tödlicher Unfall beim Eisklettern im Bereich des Gaisalpsees sowie ein tödlicher Absturz im Bereich der Enzianhütte. Die Gedanken der Bergwacht Oberstdorf sind bei den Angehörigen und allen Betroffenen.
Insgesamt verzeichnete die Bergwacht Oberstdorf im Winter 1.063 Einsätze. In 168 Fällen wurde ein Rettungshubschrauber mit Notarzt hinzugezogen. Zusätzlich leistete die Bereitschaft umfangreiche Vorsorgedienste, unter anderem bei Großveranstaltungen und zur Unterstützung der Skiwacht. Dafür wurden insgesamt 187 ehrenamtliche Diensttage erbracht. Die Gesamteinsatzzahl lag damit auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorwinter.
Die Sommersaison 2025, die den Zeitraum vom 1. Mai bis 30. November umfasst, verlief mit 236 Einsätzen im langjährigen Durchschnitt. Auffällig waren zwei längere Schlechtwetterperioden, die insbesondere im Juli zu einem spürbaren Rückgang der Einsatzzahlen führten. Häufigster Einsatzanlass blieb der verunfallte oder erschöpfte Wanderer. Auch in den Sommermonaten wurde die Bergwacht Oberstdorf regelmäßig durch die Luftrettung unterstützt.
In seinem Jahresbericht ging Bereitschaftsleiter Thaddäus Berktold auch auf die gestiegenen organisatorischen Anforderungen innerhalb der Bereitschaft ein. Neben dem Einsatz- und Ausbildungsdienst erfordern insbesondere Verwaltung, Planung und Weiterentwicklung der Strukturen ein hohes Maß an ehrenamtlichem Engagement. Ziel der Bergwacht Oberstdorf ist es, das über Jahrzehnte aufgebaute Leistungsniveau auch künftig zu sichern und den steigenden Anforderungen im alpinen Rettungsdienst gerecht zu werden.
Ein zentrales Zukunftsprojekt ist die bauliche Umstrukturierung der Bergrettungswache im Ried. Die Maßnahme ist in drei große Bauabschnitte gegliedert. Bauabschnitt 2 steht inzwischen kurz vor der Fertigstellung. Mit dem Umbau sollen die räumlichen Voraussetzungen verbessert, Einsatzabläufe optimiert und die Infrastruktur der Bereitschaft langfristig an die Anforderungen eines modernen Bergrettungsdienstes angepasst werden.
Für die weitere Umsetzung des Projekts ist die Bergwacht Oberstdorf weiterhin auf Unterstützung und Spenden angewiesen.
Einen besonderen Stellenwert nimmt weiterhin die Ausbildung ein. Rund 4.000 Stunden wurden im vergangenen Jahr ehrenamtlich in Aus- und Fortbildung investiert. Derzeit befinden sich elf Anwärter in der Grundausbildung zur Bergwachteinsatzkraft. Sie bilden ein wichtiges Fundament für die Zukunft der Bergwacht Oberstdorf.
Im Rahmen der Versammlung wurde zudem über Ehrungen verdienter Mitglieder berichtet. Christian Donner erhielt das Grüne Edelweiß des Deutschen Alpenvereins, Siegfried Rothmayr wurde mit der Leistungsabzeichnung in Silber ausgezeichnet. Bereits im Vorjahr wurde Xaver Hartmann für seine langjährigen Verdienste im Lawinenhundewesen im Allgäu geehrt.
Die Bergwacht Oberstdorf zeigt mit dem Rückblick auf das Jahr 2025, wie leistungsfähig ehrenamtlicher Einsatz auch unter steigenden Anforderungen bleibt. Grundlage dafür sind Engagement, Erfahrung, Ausbildung und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Einsatzstrukturen.